Komplexe Änderungen in Abrechnung und Systemintegration sind nur mit frühem Testing sicher. Erkenntnisse aus einem Energiemarktprojekt.
Inhaltsverzeichnis
Kurz zum Projekt
Branche
Energiewirtschaft
Standort
Ungarn
Unternehmensgröße
1-50 Mitarbeitende
Anforderung des Auftraggebers:
- Testen der Einführung eines Abrechnungssystems
- Testen der Synchronisierung zwischen Systemen, Rechnungserstellung
- (regressives) Testen des CRM-Systems
- Testen einer neuen Tarifstruktur
Im Projekt eingesetzte Fachkräfte seitens TestIT
- 3 manuelle Tester
- davon 1 Testkoordinator
Eingesetzte Technologien
- SPIRA
- Jmeter
Erforderliches Fachwissen und Kompetenzen
- Testmethodik,
- Integrationstests,
- Finanz-/Abrechnungs-Know-how,
- Testadministration,
- Performance-Tests
- klare Kommunikation mit Fachbereich und IT,
- systemisches Denken über den gesamten E2E-Prozess,
- präzise und strukturierte Dokumentation (Testfälle, Fehler, Status),
- Umgang mit wechselnden Prioritäten durch ruhige, strukturierte und lösungsorientierte Kommunikation
Komplexe Systemverbindungen, sich ändernde Geschäftsregeln, enge Frist - Kommt Ihnen das bekannt vor?
In komplexen Unternehmensumfeldern wird Testen noch immer oft als notwendige, im Kern jedoch kontrollierende Funktion verstanden: als etwas, das am Ende der Entwicklung hinzukommt, bestätigt, dass die Lösung funktioniert, und die Entwicklung anschließend in Richtung Go-live weiterlaufen lässt.
Die Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Vor allem dann, wenn eine Organisation gleichzeitig geschäftskritische Prozesse, komplexe Systemverbindungen, sich ändernde Geschäftsregeln und enge Fristen bewältigen muss. In solchen Situationen kann Testen weit mehr sein als eine nachgelagerte Kontrollphase. Zum Beispiel ein gemeinsamer Arbeitsprozess, der das erwartete Verhalten präzisiert, die beteiligten Bereiche aufeinander abstimmt und spürbar zur Qualität des Projekts beiträgt.
Anhand eines Projekts im Energiemarkt zeigen wir nun, wie Testen zu einem echten Motor für Qualität werden kann. Es ging hier nicht darum, ein schlecht laufendes Projekt zu retten, sondern darum, ein System aufzubauen, das auch langfristig tragfähig ist. Die Expertinnen und Experten auf Auftraggeber- und Lieferantenseite arbeiteten eng und strukturiert zusammen und entwickelten entlang fachlicher Anforderungen eine stabilere und besser dokumentierte Lösung.
Die wichtigste Erkenntnis reicht dabei über dieses einzelne Projekt hinaus: Testen kann sehr wohl ein Motor der Qualität sein - nicht nur ihr Prüfer in einer nachgelagerten Rolle.
Warum war dieses Projekt für unseren Kunden strategisch wichtig?
In einem Energiemarkt-Umfeld ist der Abrechnungsprozess ein geschäftskritisches Element. Die Genauigkeit der Abrechnung, die korrekte Handhabung von Tarifstrukturen, die Zuverlässigkeit der Systemverbindungen und die Reporting-Fähigkeit sind zugleich finanziell, operativ und reputationsseitig von Bedeutung.
Ziel dieses Projekts war die Validierung einer neuen Abrechnungslogik und der damit verbundenen Systemprozesse. Die besondere Herausforderung bestand darin, gleichzeitig:
- neue Geschäftsregeln abzubilden
- die Funktionsfähigkeit bestehender Systeme zu erhalten
- Integrationsprozesse zu prüfen
- und all dies so umzusetzen, dass der produktive Betrieb störungsfrei bleibt
Wie haben wir eine bessere Projektarbeit erreicht und welche Rolle hatten wir dabei?
Auf Kundenseite wurde dies durch eine starke fachliche Präsenz begleitet: Projektmanagement, Systemanalyse und Fachbereich waren kontinuierlich in Klärung und Validierung eingebunden. Das war entscheidend, denn in einem so komplexen Umfeld ist Erfolg niemals ausschließlich eine technologische Frage. Das eigentliche Ergebnis entsteht dort, wo fachliche Zielsetzung, Systemlogik und Disziplin in der Qualitätssicherung aufeinandertreffen.
Eine natürliche Eigenschaft des Projekts war, dass das Testen anfangs häufig auf Teilinformationen und laufenden Abstimmungen beruhte. Das ist ein typisches Phänomen in Transformationsprojekten, in denen mehrere Systeme, mehrere Verantwortungsbereiche und mehrere Ebenen fachlicher Regeln zusammenkommen.
Wir haben diese Herausforderung dadurch gemeistert, dass wir Unklarheiten bereits in den täglichen Meetings offen angesprochen, die richtigen Expertinnen und Experten eingebunden und die ermittelten Abläufe schrittweise in Testfälle sowie die festgestellten Abweichungen in gut nachvollziehbare Tickets überführt haben. Genau diese Arbeitsweise führte nicht nur zu besserem Testen, sondern auch zu einer besseren gemeinsamen Projektarbeit.
Unser Ansatz: eine gemeinsame Grundlage schaffen
Im Projekt erschöpfte sich die Aufgabe des Testens nicht in der Überprüfung einzelner Funktionen. Der eigentliche Mehrwert bestand darin, dass das Testen zu einer Art gemeinsamer strukturierender Ebene zwischen Fachbereich und Technologie wurde. Genau mit diesem Mindset gehen wir in jedes Projekt: Wir fokussieren uns nicht nur darauf, wie sich das Testen möglichst effizient durchführen lässt, sondern machen auch Vorschläge dazu, wie operative Prozesse aufgebaut oder gegebenenfalls entflechtet und neu strukturiert werden können.
So sind wir an die oben genannte Aufgabe herangegangen:
1. End-to-End-Denken von der ersten Minute an Anstatt ausschließlich einzelne funktionale
Elemente isoliert zu betrachten, haben wir den gesamten Abrechnungsprozess in einer End-to-End-Logik behandelt. Das bedeutete, dass wir ausgehend von der Synchronisierung der Partner- und Tarifdaten über die Erzeugung der Abrechnungsgrunddaten, die Verarbeitung, die Rechnungsübermittlung und die Rückprüfung des Rechnungsbilds den vollständigen fachlichen Ablauf zugrunde gelegt haben. Diese Sichtweise ist besonders wichtig in Unternehmensprojekten, in denen Fehler nicht innerhalb einer einzelnen Funktion, sondern an Systemgrenzen auftreten.
2. Von der schrittweisen Klärung zu einer strukturierten Testbasis
Im Verlauf des Projekts entstanden gemeinsam mit den Expertinnen und Experten auf Kundenseite aus präzisierten Abläufen konkrete Testfälle. Der Input-Output-basierte Ansatz half dabei, dass alle Beteiligten dieselbe Frage beantworteten: Was ist der Ausgangsdatensatz, welchen Prozess durchläuft er und was ist das erwartete Ergebnis? Diese auf den ersten Blick einfache Logik macht oft den entscheidenden Unterschied zwischen „Meinungen“ und „tatsächlicher Prüfbarkeit“ aus.
3. Testmanagement, das die Delivery tatsächlich unterstützt
Die Testkoordination war in diesem Projekt keine administrative Zusatzfunktion, sondern eine wesentliche Voraussetzung für die Stabilität der Delivery. Die Steuerung von Prioritäten, das Nachverfolgen offener Punkte, die Strukturierung von Fehlertickets, die Planung von Retests und die kontinuierliche Bündelung der Kommunikation zwischen den Beteiligten halfen dabei, dass das Projekt seine Transparenz nicht verlor.
4. Last- und Performance-Tests entlang realer Betriebslogik
Mit JMeter haben wir nicht nur technische Performance-Tests durchgeführt, sondern auch Daten- und Lastszenarien validiert, die auf die Massenabrechnung im realen Betrieb abgestimmt waren. Das war wichtig, weil es im geschäftlichen Umfeld nicht ausreicht, wenn ein System in einem einzelnen Prozessschritt gut funktioniert - es muss auch unter realer Last stabil bleiben.
Die größten Herausforderungen und die gemeinsam entwickelten Lösungen
✔ Komplexe Geschäftsregeln, mehrere Systeme, ein gemeinsames Ziel
Eine der größten Herausforderungen des Projekts war, dass mehrere Systeme und mehrere fachliche Logiken aufeinandertrafen. In solchen Situationen liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht in einem „fehlerfreien Ausgangszustand“, sondern darin, ob es einen Arbeitsrahmen gibt, in dem die Beteiligten Abweichungen schnell und präzise klären können.
Dabei war die hohe fachliche Einbindung auf Kundenseite von großem Wert. Die Projektbeteiligten beantworteten nicht nur Fragen, sondern wirkten aktiv daran mit, dass die Funktionslogiken eindeutig formalisiert werden konnten.
✔ Iterative Präzisierung dort, wo Unsicherheit besteht
Von außen betrachtet neigen viele dazu, kontinuierliche Abstimmungen kritisch zu sehen. Wir sind überzeugt, dass dies in einem komplexen Transformationsprojekt vielmehr ein Zeichen reifer Zusammenarbeit ist. Genau das war auch hier der Fall: Die Interpretation, Präzisierung und schrittweise Überführung der Abläufe in Testfälle hat das Projekt nicht gebremst, sondern im Gegenteil die Grundlage für einen stabilen Go-live geschaffen.
✔ Testen als gemeinsame Sprache
Im Verlauf des Projekts wurden die Testfälle und die sauber strukturierten Fehlertickets zu einer gemeinsamen Referenzbasis. Das ist besonders wertvoll in einem Umfeld, in dem Entwicklungs-, Fach- und Projektrollen zusammenarbeiten. Das Testen hat hier nicht nur Kontrolle geschaffen, sondern auch eine gemeinsame Sprache.
Die Ergebnisse des Projekts
Neben den zuerst sichtbar werdenden fachlichen und operativen Ergebnissen sind auch die längerfristigen organisatorischen Effekte mindestens ebenso wichtig.
✔ Sicherere Einführung der Abrechnung
Die neue Tarifstruktur und die zugehörigen Prozesse wurden validiert produktiv gesetzt.
✔ Geringerer Bedarf an manuellen Korrekturen
Dank des End-to-End-Testens konnte ein erheblicher Teil der Abweichungen noch vor dem Produktivbetrieb identifiziert und behoben werden.
✔ Mehr Transparenz über den gesamten Prozess
Die Testfälle und Fehlertickets zeigten klar auf, was funktioniert, wo Präzisierungen erforderlich sind und wo Entscheidungen getroffen werden müssen.
Planbarerer Betrieb
Die Validierung der Synchronisierung zwischen den Systemen und der Abrechnungslogik unterstützte einen stabileren Tagesbetrieb.
✔ Stärker formalisiertes Betriebswissen
Die während des Testens dokumentierten Logiken bildeten eine wiederverwendbare Wissensbasis.
✔ Stärkere Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und IT
Die gemeinsame Validierung und die Abstimmungen brachten nicht nur das Projekt voran, sondern verbesserten auch die Qualität der Zusammenarbeit.
✔ Nachhaltiger beherrschbare Prozesse
Die dokumentierte und validierte Funktionsweise schafft auch für spätere Änderungen eine stabile Grundlage.
Erkenntnisse
Es gibt Punkte, die die Beteiligten bei ähnlichen Projekten bedenken sollten, bevor sie mit dem Projekt starten.
1. Die frühe Einbindung des Testens bringt einen echten Return on Investment
Je früher das Testen Teil des Projekts wird, desto eher kann es nicht nur Fehler finden, sondern der Arbeitsweise auch Struktur geben.
2. Detaillierte Dokumentation bremst nicht, sondern beschleunigt
In diesem Projekt nahm die Erstellung einer detaillierten und vollständigen Testdokumentation deutlich weniger Zeit in Anspruch, als der Kunde durch den nicht mehr verlorenen Aufwand bei CRs und Spezifikationslücken eingespart hat.
3. Testen hat nicht nur eine nachgelagerte Rolle
In diesem Projekt konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich einen testgetriebenen Ansatz anwenden, der sich auf eine funktionierende Lösung konzentriert.
4. Ein guter Partner liefert nicht nur Kapazität
In komplexen Projekten ist externe Expertenunterstützung dann wirklich wertvoll, wenn sie nicht nur Ressourcen bereitstellt, sondern auch methodische Disziplin, strukturiertes Denken und Transparenz, die auch aus Managementsicht nutzbar ist.
Wie geht man bei ähnlichen Projekten vor?
Wenn mehrere Systeme, mehrere beteiligte Bereiche und geschäftskritische Abläufe zusammenkommen, ist ein externer Partner wie TestIT eine besonders gute Wahl.
Wenn Sie sich für uns entscheiden, bringen wir in jedes vergleichbare Projekt auf diesen drei Feldern echtes Know-how und belastbare Kompetenzen ein:
- Strategy-to-Execution Management: Testmanagement und methodische Unterstützung von der Strategieentwicklung über die Implementierung bis hin zum Betrieb
- Testing as a Service (TaaS): ganzheitliche Testunterstützung mit manuellen und automatisierten Elementen, Testkoordination, Testdatenmanagement und stabiler BAU-Unterstützung
- AI-Driven Testing: KI-gestützte Unterstützung des Testprozesses mit eigenständigen, auch fachlich interpretierbaren Ergebnisartefakten
Wenn Sie aktuell vor einer Einführung, Migration oder Prozessumstellung stehen, lohnt es sich, die Qualitätssicherungsaspekte noch zu besprechen , bevor aus dem Testen ein dringender nachgelagerter Feuerwehreinsatz wird.
FAQ
1. Wie kann man gut testen, wenn zu Beginn des Projekts noch nicht alle Informationen vorliegen?
In komplexen Unternehmensprojekten ist das eine häufige Situation. Der richtige Ansatz ist dann nicht abzuwarten, sondern iterativ vorzugehen. Durch die schrittweise Präzisierung der Abläufe, tägliche Abstimmungen, die Einbindung fachlicher Expertinnen und Experten sowie die strukturierte Erstellung von Testfällen lässt sich Unsicherheit gut beherrschen. Dafür braucht es starkes Testmanagement, ein gutes Verständnis für Geschäftsprozesse und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit.
2. Welche Werkzeuge unterstützen ein solches Projekt?
Das im Projekt eingesetzte SPIRA unterstützte die strukturierte Nachverfolgung von Testfällen, Testläufen und Fehlern, während JMeter einen Mehrwert bei Last- und Performance-Tests lieferte. Entscheidend ist jedoch nicht das Tool an sich, sondern dass es Transparenz, Reproduzierbarkeit und schnelle Entscheidungsfindung ermöglicht.
3. Wann rechnet sich eine detaillierte Testdokumentation?
In der Regel deutlich früher, als Organisationen zunächst annehmen. Besonders dann, wenn mehrere Stakeholder, mehrere Systeme und komplexe fachliche Regeln beteiligt sind. Detaillierte Dokumentation reduziert Doppelarbeit aufgrund von Missverständnissen, verkürzt Klärungsschleifen und schafft auch für zukünftige Änderungen eine stabile Grundlage.



